Aus einem Marketing-Scherz wurde eine Personenmarke mit 40 Millionen Videoaufrufen im Monat – und einem Lifestyle, der genau kalkuliert ist.
Personenmarke aufbauen heißt für die meisten Gründer: ein scharfes LinkedIn-Profil, vielleicht ein Podcast-Auftritt, ein paar gute Fotos. Andreas W. Herb hat daraus ein Geschäftsmodell mit 40 Millionen Videoaufrufen pro Monat gemacht, allein auf TikTok und Instagram. Im Gespräch mit Philipp Westermeyer im OMR Podcast erzählt er, wie aus einem Scherz eine Personenmarke mit großer Reichweite wurde, und was der Lifestyle, der dabei gezeigt wird, tatsächlich kostet.
Vom Marketing-Scherz zur Personenmarke
Begonnen hat alles 2023, eigentlich mit einer ganz anderen Absicht: Herb wollte sein eigenes Marketingteam ärgern. Aus der Spaßaktion wurde eine Figur, die heute Millionen Menschen erreicht. Herb selbst beschreibt sich mittlerweile ohne Umschweife als den dicksten, übergewichtigsten, ältesten Influencer Deutschlands, eine Selbstbezeichnung, die zeigt, wie bewusst er mit Ecken und Kanten statt mit einem polierten Hochglanzbild arbeitet.
Genau darin liegt eine Lektion, die über Social Media hinausreicht: Eine Personenmarke funktioniert nicht, weil sie perfekt ist, sondern weil sie wiedererkennbar und ehrlich wirkt. Wer sich heute als Experte selbstständig macht, steckt schnell in der Expertenfalle unter Selbstständigen, man will alles richtig und seriös machen und verliert dabei genau das, was eine Marke menschlich macht.
Zehn Minuten am Tag: Wie entsteht der Content wirklich?
Wer sich das Ausmaß an Videos vorstellt, erwartet ein ganzes Produktionsteam. Tatsächlich beschreibt Herb im Podcast ein deutlich schlankeres System: Ein Videograf begleitet ihn durch den Alltag, jede Szene wird nur einmal gedreht, kein zweiter Take. Im Schnitt steckt er so nach eigener Aussage rund zehn Minuten pro Tag in seinen Content.
Das klingt nach einem Widerspruch zum Bild des durchgetakteten Influencer-Lebens, zeigt aber vor allem eines: Konsequente Systeme schlagen aufwendige Produktion. Dass schneller nicht automatisch besser bedeutet, ein klares, wiederholbares Prinzip aber den Unterschied macht, lässt sich auch auf den Erfolgsmythos rund ums Gründertempo übertragen, es geht selten um die meiste Zeit, sondern um die richtige Wiederholbarkeit.
Was kostet der Lifestyle hinter den Reels wirklich?
Der sichtbare Teil der Personenmarke sind Lambo, Maybach und Privatjet. Herb macht im Podcast konkrete Zahlen auf: Mit seiner Piper M350 kalkuliert er 900 Euro pro Flugstunde, was sich über ein Jahr auf 100.000 bis 150.000 Euro Flugkosten summiert. Nach Mallorca fliegt er trotzdem mit Eurowings, ein Detail, das den Unterschied zwischen Inszenierung und Alltag ziemlich genau markiert.
Der Maybach wiederum ist für ihn kein Statussymbol zum Selbstfahren, sondern ein rollendes Büro mit Fahrer: Zeit im Auto wird zu Arbeitszeit. Neben dem Maybach gehört offenbar auch ein Rolls-Royce zum Fuhrpark, der im Podcast ausschließlich als Requisit für Social-Media-Aufnahmen beschrieben wird, nicht als Alltagsfahrzeug. Der Lamborghini Aventador aus seinem Fuhrpark ist nach eigener Schilderung an rund 220 Tagen im Jahr unterwegs, meistens allerdings ohne ihn.
Was im Reel wie ständiger Luxus wirkt, ist in Wirklichkeit ein genau kalkuliertes Werkzeug aus Leasing, Logistik und Bildsprache.
Das Gespräch zwischen Herb und Westermeyer ist Teil der großen OMR-Podcast-Folge Nummer 900 aus dem April 2026 und zeigt, wie durchdacht hinter der scheinbaren Beiläufigkeit der Reels tatsächlich kalkuliert wird.
Sichtbarkeit ist kein Zufall
Dass Herb mit seinem Content zehn Minuten am Tag Millionen Menschen erreicht, hat auch damit zu tun, dass er auf den Plattformen präsent ist, auf denen seine Zielgruppe tatsächlich unterwegs ist. Für Unternehmer, die über klassische Suchmaschinen hinaus sichtbar werden wollen, wird genau diese Logik zunehmend wichtiger: Sichtbarkeit entscheidet sich längst nicht mehr nur über Google, sondern auch darüber, wie gut Inhalte für Plattformen und KI-gestützte Antwortsysteme aufbereitet sind. Die Generative Engine Optimization für KMU beschreibt genau diesen Wandel, weg von der reinen Klickliste, hin zu Inhalten, die zitiert und weiterempfohlen werden.
Wer als Ein-Personen-Unternehmen oder kleines Team eine eigene Personenmarke aufbaut, hat selten ein Budget für einen Privatjet oder einen Fuhrpark mit Fahrer. Die eigentliche Lektion aus Herbs Rechnung lässt sich trotzdem übertragen: Jedes sichtbare Element einer Marke sollte einem klaren Zweck dienen, sei es Reichweite, Vertrauen oder schlicht Wiedererkennbarkeit, und nicht nur gut aussehen. Wer die eigenen Kosten und ihren Nutzen genauso nüchtern durchrechnet wie Herb seine Flugstunden, trifft am Ende bessere Entscheidungen darüber, wohin Marketingbudget tatsächlich fließen sollte.
Was können Unternehmer aus Herbs Personenmarke lernen?
Die Geschichte von Andreas W. Herb zeigt, dass eine erfolgreiche Personenmarke nicht aus einem perfekten Image besteht, sondern aus Konsequenz, Wiederholbarkeit und einer ehrlichen Selbstdarstellung. Zehn Minuten Produktionszeit am Tag reichen, wenn das Prinzip dahinter stimmt. Und der Lifestyle, der auf Social Media glänzt, ist bei genauerem Hinsehen vor allem eines: ein kalkuliertes Arbeitsinstrument, kein Selbstzweck.
Für Gründer und Unternehmer, die über eine eigene Personenmarke nachdenken, liegt die größte Erkenntnis genau hier: Es braucht keinen Privatjet, um glaubwürdig zu wirken, es braucht ein System, das sich jeden Tag wiederholen lässt, und den Mut, auch die eigenen Ecken und Kanten zu zeigen.

Quellen
- Lambo, Maybach & Privatjet: Was kostet das wirklich? | Andreas W. Herb im OMR Podcast (Ausschnitt) — Ausschnitt aus OMR Podcast Folge #900 mit Andreas W. Herb und Philipp Westermeyer, veröffentlicht 2.11.2026
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